Aderlass
(= therapeutische Maßnahme zur Korrektur des zirkulierenden Blutvolumens)

Übersicht:
Sinn und Unsinn der Aderlass-Therapie
•Wieso ist diese Thematik nicht tot zu kriegen?
•Dünnes Blut - das Problem mit der Definition
•Erhöht sich der Anteil der roten Blutkörperchen in der Blutmenge (Hämatokrit) nach dem Aderlass?
•Strenge Auflagen für die Durchführung eines verfeinerten, modifizierten Aderlasses
•Wann hilft der Aderlass und wie hilft er wirklich
• Aderlass mit Maß und Ziel durchführen
Unterteilung der 3 neuen verfeinerten und modifizierteren Aderlässe


•1. Der neue diagnostische Aderlass
•2. Der neue therapeutische Aderlass
•3. Der neue selektive Aderlass


1. Der neue diagnostische Aderlass
Eine Herzinsuffizienz beginnt schleichend und sehr viel früher als wir dies bisher diagnostizieren konnten
Die Diagnostik der Herzinsuffizienz hat, was die Frühphase der Erkrankung anbetrifft, seinen Dornröschenschlaf noch nicht beendet. Das liegt einfach daran, dass in der Zwischenzeit keine neuen diagnostischen Werkzeuge gesucht und somit auch nicht gefunden werden konnten.
Weder wurde das Werkzeug EKG im allgemeinen verbessert, noch ist es gelungen, aus dem so hoch gelobten Echokardiogramm (= Ultraschalldiagnostik des Herzens) ein so subtiles Werkzeug zu machen, dass Frühformen einer noch verdeckten Herzinsuffizienz zu diagnostizieren wären.
Das von uns entwickelte Schleifen-EKG als Weiterentwicklung des herkömmlichen EKGs ist allerdings sehr wohl geeignet, Unregelmäßigkeiten und somit auch Frühformen der Herzinsuffizienz entlarven zu können. (siehe auch unseren Artikel EKG - Diagnostik)
Im übrigen sollte man mehr Entwicklungsarbeit leisten, damit man das zirkulierende Blutvolumen so genau zu bestimmen kann, dass eine Vermehrung durch die Herzinsuffizienz diagnostizierbar wird. Ein solches Verfahren ist nicht in Sicht oder man müsste sich radioaktiver Verfahren bedienen, die von der Bevölkerung zunehmend abgelehnt werden. Also weiter nachschauen, ob der Daumendruck eine prätitide Delle hinterlässt?
Nein, es wurde in den letzten Jahrzehnten nicht wirklich an dieser Thematik gearbeitet - an der Früherkennung der Herzinsuffizienz. Dabei ist der Mechanismus des Krankheitsverlaufes relativ klar: bei der Herzinsuffizienz kommt es zur Zunahme des zirkulierenden Blutvolumens, um durch eine bessere Füllung des linken und/ oder rechten Herzens eine bessere Herzleistung zu erreichen.
Die Blutvolumenvermehrung in der Kompensation einer Herzinsuffizienz ist der falsche Weg
Eine Blutvolumenvermehrung verursacht aber einen vermehrten Druck auf das Herz und die Herzinnenwände, der im Liegen sogar zu einer Durchblutungsstörung der Herzinnenschicht führt. Was also auf der einen Seite zu einer Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit im Alltag führt, das macht in der Nacht unter Umständen fatale Rückwirkungen im gesamten Organismus durch eine Überaktivierung des Sympathikus (= zum vegetativen, unwillkürlichen Nervensystem gehörender Nerv, der für die Engstellung der Gefäße verantwortlich ist).
Die Bilanz ist daher mehr als negativ; die Blutvolumenvermehrung ist in der Summe ein falscher Weg.
Bisher gab es kein Verfahren, die negativen Auswirkungen der Blutvolumenvermehrung auf das Herz abzufragen.
Das gelingt uns jetzt erstmalig durch unseren neuen "diagnostischen Aderlass".Der diagnostische Aderlass ist in der Regel eine kleinere Blutentnahme, die über die Bestimmung des Doppel-Hämatokrits vor und 24 bis 48 Stunden nach dem Aderlass zur Klassifizierung der Herzbelastung in den beiden Bereichen, dem kleinen und dem großen Kreislauf führt. Die Bestimmung des Doppel-Hämatokrits ist ein Verfahren, bei dem der Anteil der roten Blutkörperchen in der Gesamtblutmenge sehr genau (4-6fach Messungen) gleichzeitig im kapillaren (sauerstoffreichen) und venösen (sauerstoffarmen) Blut bestimmt wird.


2. Der neue therapeutische Aderlass
Der therapeutische Aderlass ist ein mehrphasiger, abgesicherter und verzögerter Aderlass
Diese Form des Aderlasses leitet seinen Namen aus der Tatsache ab, dass die Entfernung des Zuviel an Blutvolumen zum einen außerordentlich langsam, in mehreren Ansätzen und zum anderen über den diagnostischen Aderlass abgesichert durchgeführt wird.
Das hat einerseits eine große Bedeutung zunächst für die Verträglichkeit und dient dazu, Kreislaufreaktionen, die mit einer kurzen Bewußtlosigkeit einher gehen können, zu verhindern. Zum anderen hat eine Entnahme von mehrfach kleineren Mengen keine so starke Signalwirkung auf den Organismus, die Blutneubildung zu forcieren. Das Blutvolumen-Kontrollsystem wird quasi ein wenig überlistet und wird vielleicht auch kurzfristig über die Menge des entnommenen Blutes getäuscht.
Langfristig allerdings nicht, denn die Verdünnung nach einem Aderlass bei Kreislaufgesunden korreliert sehr genau mit der entnommenen Menge an Blut. Diese Tatsache ist Grundlage der Blutvolumenbetrachtungen beim „diagnostischen Aderlass" und bei der Auswertung des „Doppel-Hämatokrits", der als wertvolles Werkzeug hilft, unnötige Aderlässe sicher zu vermeiden oder weiteren Bedarf zu signalisieren.
Es gibt gute Gründe, einen Aderlass vorsichtig, umsichtig und in mehreren Ansätzen über einige Tage durchzuführen. Wenn ein Aderlass von 400 ml durchgeführt werden soll, werden wir diesen nur in seltenen Ausnahmefällen wirklich auf einmal abnehmen.
Bei noch nicht ausreichend untersuchten Patienten, bei sehr hohen Hämatokrit-Werten, bei Verdacht auf koronare Herzkrankheit, bei Bluthochdruck (Hypertonie) mit diastolischem Blutdruckanstieg, bei Verdacht auf periphere (= zur Körperoberfläche hin) oder zerebrale (= das Großhirn betreffende) Arteriosklerose (= Arterienverkalkung) oder bei relativem oder absoluten Mangel an Albumin (= Eiweiß) im Blut werden wir immer den verzögerten Aderlass durchführen.
Das erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern es ermöglicht uns auch die konsequente Kontrolle durch den mehrfach bestimmten Doppel-Hämatokrit.


3. Der neue selektive Aderlass
a) Indikation - Verbesserung der Fließeigenschaft des Blutes (Rheologie)
Die Indikationen des Aderlasses sind so vielfältig wie seine Wirkungen. Rheologische Erkenntnisse zeigen, dass Blut mit einem geringeren Hämatokrit eine geringere Zähigkeit aufweist und dadurch höhere Strömungsgeschwindigkeiten möglich werden. Das heißt, dass die jungen Frauen durch ihre Regelblutungen die beweglichsten Erythrozyten besitzen, die durch ihre Verformbarkeit jede Stelle im Körper erreichen können. Von der schnelleren Fließgeschwindigkeit profitiert insbesondere die Auskleidung in den Gefäßen.
b) Verbesserung der Herzinsuffizienz
Die frühen Anpassungsmechanismen des Herzens führen zu einer Volumenzunahme im betroffenen Abschnitt. So sinnvoll dieser Mechanismus zur Herzkraftsteigerung anfänglich sein mag, so kann er letztlich durch Überdehnung des Herzens zu einer unheilbaren Herzschädigung führen. Durch einen frühzeitigen Aderlass kann der falsche Weg der Kompensation beendet werden.
c) Verbesserung der Herzbelastung in der Nacht
Ein am Tag gut kompensiertes Herz, das seine Leistungsfähigkeit durch eine Volumenvermehrung über eine vermehrte Herzfüllung aufrecht erhält, kann in der Nacht unversehens in eine kritische Situation geraten. Durch das verstärkt auftretende Blutvolumen in der Nacht kommt es in dem geschlossenen System des Kreislaufs zu einem Druckanstieg im Herzen. Der Druck auf die Herzinnenschicht führt durch die mechanische Kompression zu einer Minderdurchblutung (Ischämie) der Innenschicht, die zu einer Notfallsituation des gesamten Organismus führt und somit den Sympathikus (= zum vegetativen, unwillkürlichen Nervensystem gehörender Nerv, der für die Engstellung der Gefäße verantwortlich ist) aktiviert
Diese Sympathikuserhöhung bringt gravierende Symptome auf den Weg, wie vermehrtes Herzklopfen, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Angina pectoris, klares Hellwachsein, Unruhegefühl und dauernde Schlafunterbrechung (siehe auch Schlafstörungen und Schlaflosigkeit)Diese gesamte Symptomatik kann durch ein oder zwei äußere Aderlässe oder durch Einnahme harntreibender Medikamente behoben werden.
d) Verbesserung der Herzfunktion durch gezielte, selektierte Blutteilentnahme

Bei vielen Patienten funktioniert die Volumenreduktion über eine Entwässerung nicht gut oder nur für eine kurze Zeit. Man findet bei diesen Patienten häufig eine Störung in der Blutzusammensetzung. Dies kann zum einen die Eindickung durch Vermehrung der roten Blutkörperchen sein, wie sie durch Wasserverlust zustande kommt und sich durch eine verminderte Nierentätigkeit selbst einschränkt. Es kann aber zum anderen auch eine Hyperalbuminämie (= ein Zuviel an Eiweiß im Blut) sein, die durch Erhöhung des onkotischen Druckes das Wasser so intensiv festhält, dass es nicht ausgeschieden werden kann.
Natürlichen Therapieverfahren sollte der Vorzug vor Medikamenten gegeben werden
Es steht wohl in der ganzheitlichen Kardiologie außer Zweifel, dass der Aderlass in den unterschiedlichen Varianten seinen Stellenwert zunehmend ausbauen wird, auch über den Bereich der Alternativmedizin hinaus. Wann immer Ganzheitsmedizin gefragt ist, wird man einem natürlichen Verfahren den Vorzug vor einem Medikament geben.

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