Aortenklappeninsuffizienz
I
Was ist denn eine Aortenklappeninsuffizienz?

Eine Aortenklappeninsuffizienz ist eine angeborene oder - meist - erworbene (endokarditische (= entzündete Herzinnenhaut), syphilitische, rheumatische) Schlußunfähigkeit der Aortenklappe (Valva aortae) mit Blutrückstrom aus der Aorta in die linke Herzkammer und mit entsprechender linksventrikulärer (= die linke Herzkammer betreffenden) Volumenbelastung, gefolgt von exzentrischer Herzhypertrophie (= krankhafter Größenzunahme des Herzens). Symptome: Herzklopfen, Karotidenhüpfen (= am Hals gut sichtbarer schnellender Puls) und Pulsus celer et altus, sichtbarer Kapillarpuls, hohe Blutdruckamplitude mit niedrigem diastolischem Wert. (Roche)
Gemeint ist eine Undichtigkeit zwischen der linken Herzkammer und dem Auswurfrohr der Hauptschlagader (Aorta).
Bei der Aortenklappeninsuffizienz treten die Dekompensationserscheinungen in der Regel erst Jahre oder Jahrzehnte nach Ausbildung des Vitiums (= Fehlers) auf. Sie erreichen dann aber meist rasch ausgesprochene Grade, wobei die Dyspnoe (= Atemnot) ganz im Vordergrund stehen kann. Kranke mit Aortenklappeninsuffizienz sind im allgemeinen trotz normalem Hämoglobingehalt infolge schlechterer Durchblutung der Kapillaren blaß und unterscheiden sich dadurch von dem rosigen Aussehen der Patienten mit Mitralfehlern (Mitralinsuffizienz).
Die Aortenklappeninsuffizienz ist wohl der am häufigsten übersehene Herzklappenfehler, da die Geräusche, die beim Auswurf des Blutes entstehen, sich im Stethoskop lauter anhören als der Rückfluss. Diese Strömungsgeräusche sind hochfrequent und werden vom Körpergewebe absorbiert (= sind nicht mehr zu hören). Insofern können auch gut untersuchte Patienten, die für gesund gehalten werden, eine Aortenklappeninsuffizienz haben, ohne dass man sie bei der körperlichen Untersuchung mit dem Stethoskop finden kann.
Für die linke Kammer des Herzens bedeutet dieser Rückstrom an den Aortenklappen eine teilweise uneffektive Herzarbeit, denn ein Teil des ausgeworfenen Blutes kehrt zum Herzen zurück und muss nochmals ausgeworfen werden. Um diese vermehrte Herzarbeit leisten zu können, verdicken sich die Herzwände, damit das Herz insgesamt wieder leistungsfähiger wird und die zusätzliche Herzarbeit „lange klaglos“ leisten kann. Wenn die Aortenklappeninsuffizienz nicht sehr ausgeprägt ist, werden die Patienten erst jenseits des 55. Lebensjahres symptomatisch (= zeigen Krankheitszeichen). Diese Symptomatik kann mehrere Ursachen haben:

1. Das Herz ist zu weit geworden und verliert dadurch an Herzkraft. Dann lässt die Gesamtleistungsfähigkeit des Menschen nach, mit Schwäche und Müdigkeit und Atemnot bei körperlicher Belastung.

2. Die Herzwände haben sich immer weiter verdickt bei noch normal großem Herzdurchmesser. Bei diesen Patienten liegt vornehmlich eine nächtliche Symptomatik vor bei Herz-Innendruck-Phämomen (siehe den Artikel über das von uns entdeckte und definierte Krankheitsbild Bad Nauheimer Herz-Innendruck-Syndrom).

Das Fatale an der Aortenklappeninsuffizienz ist, dass sie keine wirklich herzbezogenen Beschwerden macht. Ganz häufig ist zum Beispiel nur das Durchschlafen in der Nacht gestört (siehe Schlafunterbrechung, Schlafstörungen und Schlaflosigkeit). Ein Symptom, das von den Medizinern in der Regel gar nicht dem Herz zugeordnet wird. Leider zeigen auch die konventionellen Kardiogramme (Zacken-EKG) die Problematik nicht auf.
Das von uns neu entwickelte Volumen-EKG zeigt allerdings sofort eine schwere Blutvolumenbelastung des Herzens an. Die guten Ultraschallgeräte (wir haben den Sequoia von Accuson) zeigen eine Aortenklappeninsuffizienz mit Sicherheit auf und ermöglichen die adäquate (= angebrachte) Therapie (siehe auch EKG-Diagnostik). Während früher eine medikamentöse Therapie (Herzmittel) mit Entwässerung im Vordergrund stand, um die Blutvolumenbelastung zu reduzieren, therapieren wir heute manchmal sogar ausschließlich mit unserer modifizierten Blutvolumen-Therapie, die mit Hilfe des neuen Volumen-EKGs überprüft wird.

Die Verschlechterung der Lebensqualität durch Aortenklappeninsuffizienz wird ganz häufig in Ermangelung einer guten Diagnostik dem Alter zugeschrieben und auch die nächtliche Schlafstörung wird ebenfalls mit dem Alter in Beziehung gebracht. Gemeint ist, dass viele eben denken, dass im Alter vier bis fünf Stunden Schlaf genügen, weil sie nach dieser Zeit hellwach sind. Daher rührt wohl die irrige Annahme, der Mensch bräuchte im Alter weniger Schlaf. Das Gegenteil ist richtig. Wer auch im Alter gut schläft und gut therapiert ist, wird älter und das mit guter Lebensqualität (siehe Altersherz).



 

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